[Nachtrag]: Gris – Zahnrad aus Fleisch (aus dem Album Progrisiv [2003])

Durchschnittlich 75 Jahre bleibt mein Geist auf dieser Erde,
Also nutz ich den Beat und Rap damit ich nicht zu schnell vergessen werde.
An die ersten Jahre erinnerst Du Dich erst für sehr viel Geld beim Therapeuten –
Ein stark zerstörter verrückter Doktor, der Dir erklärt was sie für Dich bedeuten.

Bis zur Pubertät lebst Du in einer später nicht mehr existenten Realität,
In der das Leben aus Ehrlichkeit und Spielen und jedem Tag immer Neuen entsteht.
Doch dann beginnt die bekannte Suche nach dem Wie und Warum;
Du fühlst Dich jeden Tag ein bisschen schlauer, aber bist aus der Sicht von heute sehr dumm.

Sieh Dich um, nicht nur in schwarzweiß und erkenne Details, Übergänge und Nuancen,
hör Dich um aber filter’ seine Stimmen, wenn Du denkst das Du dran bist und nutz jede Chance.
Halt die Balance und wandere auf dem Grat, mal verarscht Du, mal wirst Du verarscht,
Die Prüfung ist verdammt hart, denn Messers Schneide ist haarscharf.

Es folgt Deine Ausbildungsphase und da merkst Du, Du machst mindestens zwei,
Eine berufliche und eine innere Reifeprüfung für den Geist.
Welche die Wichtige von beiden ist, brauch ich hoffentlich nicht zu erwähnen,
Denn die eine ist für Dich, die andere für Dich im System

Doch wo sind deine Eltern stolz und je härter und je mehr Stunden der Sohn malocht
Und nicht traurig, daß er ihnen folgt und so seine Energie nur verpoft.
„Er verdient jetzt ordentlich Geld, hat nur keine Zeit es auszugeben.
Er geht morgens los, und kommt erst abends wieder – na was für’n Leben.“

Doch trotzdem schafft es diese riesige Maschinerie,
Uns ein Leben lang einzupferchen und uns weiszumachen ein Leben von dem man träumt klappt so nie.
Man zieht resigniert den Hut, und wartet auf den Regen;
„Ob ich heute blau mache, Du det muss ich mir schon dreimal überlegen“

Im Einen-mal-im-Jahr-Urlaub erinnert die Sonne an das, was man sich mal vornahm,
Aber man macht lieber die mitgenommene Arbeit, als sich einfach mal’n Horn an.
Laptop unter der Sonnenliege, nur in einer Dualbank für internationales Netz,
Und nie ein bisschen Ruhe, sogar auf einer Jagd wird weniger gehetzt.

Du arbeitest aufs Wochenende, auf den Sommerurlaub und dann auf den Lebensabend.
Dort willst Du Dich ausruhn, und zwar nicht ohne Geld zu haben.
Komm, schufte als Flucht vor der Familie, oder eifrig aus Gier,
Und Scheiß drauf, dass Du den Blick aufs Wesentliche verlierst.

Mich machst Du aggressiv, Du tust mir leid, ich Dir wahrscheinlich auch,
Ja reg Dich auf, wenn ich mal drei Monate nicht jobbe, und trotzdem viel rauch.
Und mir den Bauch voll schlage, wie ‘ne fette Made im Speck.
Du über meinen Dauerminikontostand lachst und auf einmal in den Schulden steckst.

Ob arm oder reich am Ende, liegst Du in einem Bett,
Bist bösartig zu den Schwestern, oder dankbar und nett.
Du wirst intravenös ernährt, und kriegst nicht mal mit wenn Du kackst,
Deine Nachkommen warten, und streiten um eventuelle Kohle, die Du noch hast.

Doch dann kommt Gevatter Tod, der unbeeindruckt von deinem Vermögen Dich noch mal bekuckt
Und dann abrupt dein Leben nimmt mit einem Ruck – Einem leichten Ruck

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